{"id":442,"date":"2021-02-08T15:52:39","date_gmt":"2021-02-08T15:52:39","guid":{"rendered":"https:\/\/charly.froger.de\/?page_id=442"},"modified":"2021-07-28T15:11:14","modified_gmt":"2021-07-28T15:11:14","slug":"schnega-bahnhof","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/froger.de\/index.php\/schnega-bahnhof\/","title":{"rendered":"Schnega Bahnhof"},"content":{"rendered":"<div class=\"graphic_generic_body_textbox_style_default\">\n<div>\n<div class=\"Normal\">\n<div><\/div>\n<div class=\"paragraph Free_Form\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium wp-image-443\" src=\"https:\/\/charly.froger.de\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/scnega_bhf_2-300x225.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"225\" srcset=\"https:\/\/froger.de\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/scnega_bhf_2-300x225.jpg 300w, https:\/\/froger.de\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/scnega_bhf_2.jpg 400w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/div>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Schnega Bahnhof<\/strong><\/p>\n<div><\/div>\n<p class=\"paragraph Free_Form\">7.45 Uhr, ein k\u00fchler Februarmorgen, mein Erster auf diesem Bahnhof. Stille kriecht \u00fcber die Gleise, die sich zu beiden Seiten in frostigen Feldern verlieren. F\u00fchle mich wie im Film. W\u00fcrde mich nicht wundern, wenn ich gleich die kratzigen T\u00f6ne einer von Charls Bronson gespielten Mundharmonika h\u00f6re. H\u00f6re sie nicht. Atme durch. Also beginne ich damit die Lage zu peilen. Stehe auf der Ostseite. Vor mir ein tiefer Schottergraben in dem zwei Gleise verlaufen. Auf der gegen\u00fcberliegenden Seite das Bahnhofsgeb\u00e4ude und dahinter ein paar weitere H\u00e4user angesiedelt. Auf beiden Bahnsteigen ein kleiner gl\u00e4serner Unterstand und dr\u00fcben ganz am anderen Ende der Fahrkartenautomat. So sieht er aus der kleine au\u00dferhalb des Dorfes liegende Bahnhof. Nun gut, was soll`s, ich will ja auch weg hier.<\/p>\n<p class=\"paragraph Free_Form\">Im Warteh\u00e4uschen ist ein Fahrplan montiert. Mein Zug f\u00e4hrt von dieser Seite. Nun die Fahrkarte. Ja richtig, der Automat befindet sich auf der anderen Seite. Der k\u00fcrzeste Weg w\u00e4re runter auf die Gleise und durchs Schotterbett. Ein wie aus dem nichts auftauchender G\u00fcterzug h\u00e4lt mich von der nat\u00fcrlich verbotenen Querung ab. Bleibt der autorisierte Weg. Ist vieleicht auch besser so. Wer wei\u00df, ob nicht das Gel\u00e4nde Kamera\u00fcberwacht ist, und ein betreten der Verbotszone mit einem r\u00fcpelhaften Verweis aus den knarrenden Lautsprechern geahndet wird. Vieleicht sind es aber auch nur funktionslose Dekorationen.<\/p>\n<div class=\"paragraph Free_Form\"><\/div>\n<div class=\"paragraph Free_Form\">Die Strecke zum Fahrkartenautomaten ist l\u00e4nger als angenommen. Gut, dass ich noch gen\u00fcgend Zeit habe. Und eine Karte will ich ja kaufen, um den Schwarzfahrerbonus zu vermeiden. So geht es erst mal gut 200 Meter an der Bahn entlang zu einer Unterf\u00fchrung, um dann die gleiche Entfernung wieder auf der gegen\u00fcberliegenden Seite zur\u00fcckzulegen. Komme dabei an der Front des Bahnhofgeb\u00e4udes vorbei. Bereits zweckentfremdet. Hei\u00dft jetzt B\u00fccherbahnhof. Passt, lese auch gerne in der Bahn.<\/div>\n<div class=\"paragraph Free_Form\">Damit aber nicht genug der Wegstrecke, der Automat liegt ja am Ende des Bahnsteigs. So komme ich bei der h\u00e4lfte des Weges schon mal auf einen halben Kilometer und muss auch wieder zur\u00fcck.<\/div>\n<p class=\"paragraph Free_Form\">Fahren sie Bahn, dann bleiben sie mobil, f\u00e4llt mir dabei ein.<\/p>\n<div class=\"paragraph Free_Form\"><\/div>\n<div class=\"paragraph Free_Form\">Dabei befinde ich mich hier auf einer der renomiertesten Strecken: der Amerika-Linie. Ja richtig geh\u00f6rt, die Anbindung Berlins an die gro\u00dfe weite Welt. Bis Bremen. Und dann ging es mit dem Schiff weiter. Wohin wohl? Mitte bis Ende der Drei\u00dfiger Jahre sicherlich eine vielfrequentierte Strecke f\u00fcr die, die noch das Gl\u00fcck und Geld hatten.<\/div>\n<p class=\"paragraph Free_Form\">Diese Bahnlinie exestiert bereits seit gut hundert Jahren, abgesehen von einer kurzfristigen Unterbrechung, die seinerzeit DDR hie\u00df. Aber auch das ging vorbei, und die Bundesrepublik beschloss die Wiederaufnahme als eines der wichtigsten Verkehrsziele. Am 19. Dezember 1999 war es dann soweit.<\/p>\n<div class=\"paragraph Free_Form\"><\/div>\n<p class=\"paragraph Free_Form\">Zwischen September 1998 und Dezember 1999 wurden auf den 37 Kilometer zwischen Landesgrenze und Uelzen 80 Kilometer Schienen und 67000 Schwellen verlegt, 150000 Tonnen Schotter und Steine verarbeitet, 80 neue Signale ausgestellt, zehn Weichen gebaut, 40 Kilometer Oberleitung gezogen, 163 Kilometer Kabel verlegt und zwei elektronische Stellwerke errichtet. Au\u00dferdem sanierte die Bahn auf diesem Abschnitt 14 Eisenbahn-, drei Stra\u00dfenbr\u00fccken und in den Bahnh\u00f6fen sechs Bahnsteige. Von ehemals 42 Bahn\u00fcberg\u00e4ngen wurden 15 ersatzlos gestrichen, und f\u00fcr vier wurden Stra\u00dfenunter- oder -\u00fcberf\u00fchrungen gebaut. Eine davon kenne ich jetzt. Die Baukosten f\u00fcr den Abschnitt von Salzwedel nach Uelzen betrugen 270 Mio. DM, die Wiederert\u00fcchtigung der ganzen Strecke von Stendal nach Uelzen kostete \u00fcber eine halbe Milliarde DM.<\/p>\n<div class=\"paragraph Free_Form\"><\/div>\n<div class=\"paragraph Free_Form\">Genug der Fakten, es wird Zeit f\u00fcr den Fahrkartenkauf. F\u00fcr die Bahnfahrprofis unter euch muss ich mich bestimmt nicht \u00fcber die T\u00fccken der Fahrkartenautomaten ereifern. Allen andere sei aber mitgeteilt, es ist wie ein Lotteriespiel. Nimmt er meine Scheine, sind sie auch gut genug geb\u00fcgelt, oder funktioniert er \u00fcberhaupt. Wieviel Leute sind vor mir noch dran, haben mehr oder weniger auch \u00fcberhaupt keine Ahnung, oder nicht das richtige Kleingeld. Man sollte schon rechtzeitig seine Reise antreten. Bei der Deutschen Bahn muss man auf alles gefasst sein, auch dass ein Zug mal p\u00fcnklich kommt. Und das bei dem R\u00fcckweg. Ich bin nicht schnell genug, was mir einen weiteren zweist\u00fcndigen Aufenthalt beschert. Gen\u00fcgend Zeit mir weitere Gedanken \u00fcber die Geschichte dieses Bahnhofs und auch das Gelingens des Projektes Deutsche Bahn zu machen.<\/div>\n<div class=\"paragraph Free_Form\">In der Ferne, glaube ich, h\u00f6re ich eine Mundharmonika.<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp; Schnega Bahnhof 7.45 Uhr, ein k\u00fchler Februarmorgen, mein Erster auf diesem Bahnhof. Stille kriecht \u00fcber die Gleise, die sich zu beiden Seiten in frostigen Feldern verlieren. F\u00fchle mich wie im Film. 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