{"id":778,"date":"2021-02-12T13:46:54","date_gmt":"2021-02-12T13:46:54","guid":{"rendered":"https:\/\/charly.froger.de\/?page_id=778"},"modified":"2021-02-12T14:03:32","modified_gmt":"2021-02-12T14:03:32","slug":"telefonzelle","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/froger.de\/index.php\/telefonzelle\/","title":{"rendered":"Telefonzelle"},"content":{"rendered":"<div id=\"id1\" class=\"graphic_generic_title_textbox_style_default\">\n<div>\n<div class=\"Normal\">\n<div class=\"paragraph Summary_Title\"><strong><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium wp-image-779\" src=\"https:\/\/charly.froger.de\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/CIMG0101-300x225.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"225\" srcset=\"https:\/\/froger.de\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/CIMG0101-300x225.jpg 300w, https:\/\/froger.de\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/CIMG0101.jpg 400w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/strong><\/div>\n<p class=\"paragraph Summary_Title\"><strong><br \/>\nTelefonzelle<\/strong><\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<p class=\"paragraph Free_Form\">Hat Gott eine Telefonnummer? Wenn ja, in welchem Telefonbuch k\u00f6nnte ich sie finden? Ich hatte nie gedacht mir solche Fragen einmal ernsthaft zu stellen. Nie gedacht in solch einer prek\u00e4ren Situation zu stecken. W\u00e4re ich doch blo\u00df nicht mit an die See gefahren.<br \/>\nVor f\u00fcnf Tagen war ich mit meinem Freund Wolfgang auf diesem Campingplatz angekommen. Er wollte nur einen Wochenendabstecher machen und \u00fcberredete mich ihn zu begleiten. Er war der Inselprofi hier, kam regelm\u00e4\u00dfig nach Fehmarn, ich zum ersten Mal. Schnell waren meine Sachen gepackt, das kleine Zelt, ein paar Kleidungsst\u00fccke, Proviant und eine Palette Dosenbier. Genug f\u00fcr ein Wochenende. Doch dann hatte ich entschieden l\u00e4nger zu bleiben. Wolfgang w\u00fcrde mich in vierzehn Tagen wieder abholen.<br \/>\nWir befanden uns in der angehenden Nachsaison, die Luft war noch warm und die leichte Brise lau. Der Platz hatte sich gelichtet, die Ferienzeit war vorbei, kein Trubel und ein weiter Strand ohne \u00f6lige Leiber. Hier bot sich in der fremden Umgebung Ablenkung durch lange Spazierg\u00e4nge \u00fcber steinige Strandpartien oder die nahe Waldsituation. Die Bewegung tat gut, der Wind blies einen Teil der dunklen Gedanken fort. Gedanken, die sich seit Wochen nur um ein Thema drehten, Elkes Tod. Jeder Antrieb war mir seit dem genommen. Jetzt war ich Wolfgang dankbar, dass er mich aus meiner gewohnten Umgebung gerissen hatte. Ich konnte das erste Mal frei durchatmen, sp\u00fcrte meinen K\u00f6rper den der Wind umschmeichelte. Der weite Blick und das beruhigende Ger\u00e4usch der immer wiederkehrenden seichten Wellen waren Balsam f\u00fcr meine Seele. Stundenlang durchstreifte ich die K\u00fcste, betrachtete glattgeschliffene Steine, lie\u00df sie durch meine H\u00e4nde gleiten, um sie ein paar Meter weiter durch neue Varianten auszutauschen. Kletterte \u00fcber umgest\u00fcrzte B\u00e4ume, die das Meer der Steilk\u00fcste entrissen hatte. Eine gewisse Wildnis in der der Einfluss der Menschen, nicht zu sp\u00fcren war, abgesehen von dem Unrat, angeschwemmt oder bei Spazierg\u00e4ngen liegen gelassen, war die Zivilisation auch hier schon durchgekommen.<br \/>\nAm sechsten Tag, ich war mit leichtem Proviant Richtung S\u00fcdstrand unterwegs, beschloss ich am sp\u00e4ten Nachmittag in einer g\u00fcnstig gelegenen Bucht mir ein kleines Lagerfeuer anzuz\u00fcnden. Ich sammelte trockenes Holz, welches ich in einer kleinen Mulde entflammte, warf ein paar Kartoffeln an den Glutrand und \u00f6ffnete mir ein Bier. Feuer hatte schon immer etwas phantastisches f\u00fcr mich gehabt, besser als Kino, mit knisterndem Wohlf\u00fchlger\u00e4usch, angenehmer W\u00e4rme und irgendwie archaisch. Dies war mein erstes Lagerfeuer ohne Elke, mit ihr hatte ich viele entz\u00fcndet, stundenlang damit zugebracht und uns \u00fcber Gott und die Welt unterhalten. Ich vermisste die angeregten Gespr\u00e4che, in Gedanken redete ich immer noch mit ihr. Sie war jetzt schlie\u00dflich mein Schutzengel und auch ihre Jacke, die ich immer anzog, gab mir das Gef\u00fchl sie um mich zu haben. Leider war ihr Geruch mittlerweile entschwunden.<br \/>\nJa, sie passte auf mich auf und hatte viel zu tun in den ersten Wochen in denen ich h\u00e4ufig angetrunken mit gl\u00fchenden Zigaretten einnickte. Zahlreiche Brandl\u00f6cher in Kleidung, Teppich und Bettw\u00e4sche erinnern mich daran. Immer wenn ich aufwachte und das Dilemma sah, blickte ich voller Dankbarkeit zu der kleinen, von ihr in Kindertagen gebastelten Schutzengelfigur, die jetzt bei mir zu Hause im Fensterkreuz hing.<br \/>\nDer aufkommende Wind lie\u00df mich erst wieder aus meinen Gedanken auftauchen. Das Feuer zappelte unruhig auf. Der Blick in den Himmel, lie\u00df eine Wetter\u00e4nderung vermuten. Von hinten die Abendsonne, noch hier und da durch das Gewirr der B\u00e4ume zu erkennen, bot sie an den R\u00e4ndern der nahenden dunklen Wolkenfront von vorn, ein Schauspiel mit goldenen gl\u00e4nzenden R\u00e4ndern. Imposantes auft\u00fcrmen, st\u00e4ndige Ver\u00e4nderung. H\u00f6chste Zeit zum Aufbruch. Ich steckte die brennenden Stockspitzen in den Sand und machte mich auf den R\u00fcckweg. Ich hatte noch eine weite Strecke vor mir und hoffte nicht nass zu werden. Welch ein Irrtum. Gerade mal zwanzig Minuten unterwegs, ich passierte gerade eine grobsteinige Passage an der K\u00fcste, ging es los. Der Wind peitschte mir dicke Tropfen ins Gesicht. Ich hielt mein Basecap mit der einen Hand fest und eierte \u00fcber die Felsen. Schutz war nirgendwo in Sicht. Auf der einen Seite die Steilk\u00fcste auf der Anderen die aufgew\u00fchlte See. Meine Kleidung war binnen weniger Minuten durchn\u00e4sst. Wollte ich ein Abenteuer, hier hatte ich es. Kampf gegen die Naturgewalten auf unwegsamen Gel\u00e4nde. Ich musste mich sehr konzentrieren, nicht auszurutschen und auf die Steine zu fallen. Es gab nur noch vorw\u00e4rts und durch.<br \/>\nSo schnell, wie der Regen kam, so z\u00fcgig zog die Wolkenfront \u00fcber mich hinweg. Das kurze Inferno war vorbei. Da stand ich nun, nasse Sachen am Leib, aufkommende K\u00fchle, ich atmete erst Mal tief durch, freute mich einen Rest der Abendsonne zu erblicken. Nichts wie weiter, in Bewegung bleiben und vorm dunkel werden beim Zelt sein. In Gedanken sah ich mich schon unter der hei\u00dfen Dusche, trockenen Sachen, eine kleine Pizza bei Toni essen und mindestens zwei, drei Bier trinken.<br \/>\nSo hatte ich es dann auch gehalten, aus dem Bier waren ein paar mehr geworden und ich schlief, in dem Glauben morgen w\u00fcrde mich ein weiterer sch\u00f6ner Tag erwarten, ersch\u00f6pft ein. Ich wei\u00df nicht mehr wann ich aufwachte, keine Uhr, kein Handy, aber das Prasseln von starken Regenfall lie\u00df mich nicht weiterschlafen. War es noch mitten in der Nacht oder der Morgen nicht mehr hell geworden. Wer einmal bei Regen unter einer Plane gesessen hat, wei\u00df welch eine Ger\u00e4uschkulisse auf mein kleines Zelt niederging. Zweifelsohne hat es auch eine gewisse Gem\u00fctlichkeit, aber bei starkem Harndrang und dem Bewusstsein \u00a0demn\u00e4chst einen Gang Richtung Klo zu wagen, verliert es schnell an Annehmlichkeit. Ich entschied mich daf\u00fcr einfach \u00a0in der Hocke hinter dem Zelt mich zu erleichtern. B\u00fcrstners, die bis gestern noch mit ihrem Wohnmobil neben mir standen waren schon abgereist, also einfach raus, es w\u00fcrde schon keiner sehen. Ich schlief wie immer nackt, brauchte nur die Regenjacke \u00fcber die Schultern h\u00e4ngen den Reissverschluss \u00f6ffnen und schnell herauszuschl\u00fcpfen. Die \u00dcberraschung kam beim ersten Schritt, ich stand kn\u00f6cheltief im Wasser. Damit hatte ich nicht gerechnet. Das Zelt stand in keiner Mulde, wo kam das ganze Wasser her. Nachdem ich fertig war ging ich ins Zelt zur\u00fcck, rauchend bis zum Morgen abwartend, was der Tag ans Licht bringen w\u00fcrde.<br \/>\nIch musste wohl doch noch mal eingeschlafen sein, leicht wasserbettartiges Geschunkel, Tr\u00e4ume von hoher See.<br \/>\nDer Morgen brachte keine wesentliche Besserung. Wasser vor dem Zelt, zum Gl\u00fcck nur ein leichter Nieselregen, die Himmelsstimmung grau in grau. Einzig Gummistiefel besch\u00fctzte Urlauberf\u00fc\u00dfe \u00a0beim Versuch die n\u00f6tigsten Dinge zu regeln, boten einige bunte Tupfer Abwechslung. Die Wassers\u00e4ule meines Zeltes lag zum Gl\u00fcck oberhalb des Pegels und ich konnte mich aufmachen, schauen, einen Kaffee aufzutreiben. Hose aufgekrempelt, Plastiksandalen, wie halb S\u00fcdostasien sie tr\u00e4gt, an den F\u00fc\u00dfen, stakte ich durch das Wasser Richtung Anmeldung.<br \/>\nDort herrschte gesch\u00e4ftiges Treiben, man versuchte eine Abflussrinne f\u00fcr das Wasser zu schaffen, es sollte Richtung Meer runterlaufen k\u00f6nnen, verstopfte aber st\u00e4ndig durch angeschwemmte Campingutensilien. Unter ihnen war auch der Betreiber des Platzes, ein Mann mit nettem Gesicht, blond gelockten Haaren, wie es sich f\u00fcr einen Norddeutschen geh\u00f6rte, und leicht verschmitzten, diebischen Augen, wohl das genetische Erbe von Strandpiraten. Er hatte immerhin einen mitleidsvollen Blick f\u00fcr mich \u00fcbrig, ich war wohl noch der Einzige mit einem kleinen Zelt hier auf dem Platz. Die \u00dcbrigen, anscheinend gestandene Jahrescamper, die sich heute morgen ihren Kaffee wahrscheinlich im trockenen Wohnwagen aufbr\u00fchten, gut ausger\u00fcstet mit Gummistiefeln und Friesennerz, schufteten und rackerten. Die Arbeit wurde immer hektischer und ein Blick an den Himmel, offenbarte mir warum. Eine unvorstellbare schwarze Wand zog heran, der Wind frischte auf &#8211; das sah nicht gut aus. Meinen Kaffee konnte ich erst Mal vergessen.<br \/>\nEin Unwetter brach \u00fcber uns herein. Orkanb\u00f6en schleuderten pflaumengro\u00dfe Regentropfen auf uns nieder. Mir am n\u00e4chsten stand die Telefonzelle, in der ich mich sofort in Sicherheit brachte. Immerhin ein geschlossenes Modell und mit einem Apparat, welches mit Bargeld funktionierte. Schon eine Seltenheit. In meiner Tasche befand sich sogar etwas Kleingeld, aber jetzt jemanden anrufen, ich w\u00fcrde eh niemanden verstehen k\u00f6nnen, bei dem L\u00e4rm den die Tropfen auf dem Blech und Glas verursachten. Auf jeden Fall wollte ich sp\u00e4ter bei Wolfgang melden. Ich musste hier weg, vieleicht k\u00f6nnte ich ihn \u00fcberreden fr\u00fcher zu kommen. Vorerst blieb mir nichts anderes \u00fcbrig, als in dieser Kabine auszuharren, zu hoffen, dass sie dem Unwetter Stand hielt. Drau\u00dfen schienen schwere Teile durch die Gegend zu fliegen, viel war nicht zu sehen, die Scheiben waren stark beschlagen und das Geh\u00e4use r\u00fcttelte m\u00e4chtig. Jetzt h\u00e4tte ich gerne ein Bier dabei gehabt, konnte ich das wissen. Rauchen, wenigstens bekam ich eine halbwegs vern\u00fcnftige Zigarette hin. Vor Aufregung paffte ich sie derma\u00dfen schnell durch und der Raum war jetzt v\u00f6llig vernebelt. Mit der Ger\u00e4uschkulisse hatte ich eher das Gef\u00fchl eines Blindfluges. Spielball der Elemente und kein Platz f\u00fcr eine Notlandung zu sehen. Und dann der Aufprall. Der war wirklich. Etwas sehr Gro\u00dfes musste gegen die Zelle gekracht sein. Ein Ger\u00e4usch, schlimmer als ein Autounfall. Die T\u00fcrscheibe splitterte, brach aber nicht heraus und ich pisste mir vor Angst in die Hose. Die ganze Kabine brach vom Fundament ab und schien in einem Gewirr aus \u00c4sten eingekeilt zu sein. Ich musste mich festhalten, ansonsten w\u00e4re ich gegen die Wand geprallt. Pl\u00f6tzlich kam alles in Bewegung, ich sp\u00fcrte eine Rotation ein schleifenden Ton unter mir. Ich wurde abgeschwemmt. Raus hier! So sehr ich mich auch gegen die T\u00fcr stemmte, ich bekam sie nicht auf. Sie musste verkeilt sein. Das Brausen wurde immer st\u00e4rker, die Bewegung immer schneller und es ging abw\u00e4rts. Die ganze Konstruktion rauschte Richtung Meer. Ich wurde mehrmals in der Kabine hin und her geschleudert, konnte mich nur mit M\u00fche halten. Schwer in dieser Schr\u00e4gsituation. Das Tosen nahm zu und dann stie\u00dfen zwei Elemente aufeinander und ich mit dem R\u00fccken gegen den Telefonapparat und darauf mit dem Kopf gegen die Wand. Ich verlor das Bewusstsein.<\/p>\n<p>Schwingendes Auf und Ab. Fader Geschmack im Mund. Schmerzen in der Schulter. Mir war kalt und dann \u00f6ffnete ich die Augen. Orientierungslosigkeit. Ich stand, nein, ich lag leicht schr\u00e4g in einer ramponierten Telefonzelle. Drau\u00dfen war es einigerma\u00dfen hell. Die Erinnerung kam langsam zur\u00fcck. Der Regen hatte aufgeh\u00f6rt und ein zarter Sonnenstrahl brach durch eine aufgew\u00fchlte Wolkenlandschaft. Es schien sp\u00e4ter Nachmittag zu sein. Die Scheiben waren nicht mehr beschlagen und ich sah das ganze Ausma\u00df des Desasters. Ein Baum musste gest\u00fcrzt sein und hatte sich um die Zelle gekeilt. Die T\u00fcr war versperrt und ich schwamm weit ab vom Strand. F\u00fcr die Ostsee gab es eine verdammt starke Wellenbewegung. Nur ganz auf dem Kamm konnte ich das Land erahnen. Nicht weit von mir sah ich noch jemand im Wasser. Ein beleibter Mann krallte sich an eine Kiste, sie sah aus wie ein Cajon. Ich rief, ich winkte, aber hinter der n\u00e4chsten Welle war er schon wieder verschwunden. Zweimal erblickte ich ihn wieder, dann war er weg.<br \/>\nWo waren die Rettungsboote, Hubschrauber, es m\u00fcsste doch eine gro\u00df angelegte Suchaktion geben. Bald w\u00fcrde es dunkel werden und mein Schicksal w\u00e4re es eine ganze Nacht hier gefangen zu sein. Die Zelle hing bestimmt drei\u00dfig Zentimeter im Wasser, meine F\u00fc\u00dfe durchgeweicht und ausgek\u00fchlt; ich w\u00fcrde erfrieren. Panik erfasste mich. Ich musste hier raus. Unter Schmerzen, meine Schulter war doch mehr verletzt, als ich dachte, versuchte ich die zersplitterte Scheibe herauszudr\u00fccken. Ich ruckelte, ich stemmte mich dagegen, als pl\u00f6tzlich die Kabine ein St\u00fcck absank. Ich erstarrte augenblicklich. Jede weitere Bewegung und die Zelle k\u00f6nnte tiefer rutschen. Sollte dies mein Sarg sein. Nein, ich musste schnell sein. Scheibe herausbrechen und sofort am Ge\u00e4st festhalten und mich aus der Gefahr ziehen. Ein weiterer Versuch mit dem Ellenbogen. Die Scheibe gab leicht nach, die Kabine allerdings auch. Ich stand bereits bis zu den Oberschenkeln im Wasser. Ich traute mir keinen weiteren Versuch zu. Still verharrte ich in meinem Gef\u00e4ngnis. Drau\u00dfen die wogende See, hier drinnen die Verzweiflung.<br \/>\nEin Sarg aus Glas, wie bei Schneewittchen, nur unten auf dem Meeresboden. Ich hatte mal gelesen, dass man an der Farbe des Meerwassers die Tiefe der See erkennen kann, aber was n\u00fctzte mir das schon, l\u00e4ge ich in zehn oder in vierzig Meter Tiefe, ich w\u00e4re so oder so tot. Eingeschlossen in einer Telefonzelle, wie makaber. Ich f\u00fcrchtete mich vor dem nassen Tod. Ich wollte leben.<br \/>\nIch wei\u00df noch, als ich das letzte Mal an Gott gedacht hatte. Ich hatte ihn verflucht, weil er meine Liebste zu sich geholt hatte. Ich kann mich noch genau erinnern, wie sie zu mir sagte, sie h\u00e4tte eine g\u00f6ttliche Erscheinung gehabt, ich dachte eher sie h\u00e4tte zu stark am Joint gezogen. Im Morgengrauen, als ich schlief, ist sie dann auf einen Hochspannungsmast geklettert und runtergesprungen.<br \/>\nMir kamen die Tr\u00e4nen. Sollte ich jetzt zu ihr gehen. Wie gern w\u00fcrde ich sie wieder in den Arm nehmen, das warme Gef\u00fchl sp\u00fcren, wenn unsere B\u00e4uche sich ber\u00fchrten, ihren Duft einatmen und ganz in ihr versinken. Aber ich wollte leben, ich liebte es. Alle diese wunderbaren Welten, im Gro\u00dfen, wie im Kleinen, die es hervorbrachte. Ich war noch nicht bereit. Ich fasste in meine Hosentasche, sp\u00fcrte das Kleingeld. Ich k\u00f6nnte Gott anrufen, ihn bitten mir zu verzeihen. Welche Nummer? Dieser Apparat w\u00fcrde doch eh nicht mehr funktionieren, abgerissen von seiner Bestimmung. Ich steckte das Geld in den Schlitz und griff mir den H\u00f6rer. Das Licht in der Kabine sprang an und ich vernahm ein Freizeichen. Ohne zu \u00fcberlegen w\u00e4hlte ich. Ich gab Elkes alte Telefonnummer ein. Die Nummer wurde angew\u00e4hlt, wie konnte das sein, ihr Anschluss war seit Monaten gek\u00fcndigt. Ein Knacken in der Leitung und pl\u00f6tzlich sprang ihr Anrufbeantworter an. Seit Monaten hatte ich ihre Stimme nicht mehr geh\u00f6rt, die Tr\u00e4nen flossen mir in Str\u00f6men. Dann das Signal f\u00fcr meine Nachricht.<br \/>\nIch stammelte, ich schluchzte:\u201d Elke, wo bist du, hilf mir, ich liebe dich.\u201d<br \/>\nEine gro\u00dfe Welle brach gegen gegen die Zelle und die Verbindung ab. Die Kabine kam ins Rutschen, immer mehr Wasser drang ein. An meine Eier, meinen Bauch, meinen Hals, gleich war es vorbei. Die dunkle Tiefe empfing mich.<br \/>\nImmer tiefer sank ich, bis ein warmer Lichtstrahl mich anzog und schwerelos leitete. Ein Ton drang an meine Ohren, sph\u00e4risch und doch bekannt, lauter und lauter werdend &#8211; nervend.<br \/>\nIch wache auf, es klingelt an meiner Haust\u00fcr. Benommen krieche ich aus meinem Bett, stolpere auf dem Weg zum Fenster \u00fcber meine gepackte Reisetasche und ziehe den Vorhang auf. Wolfgang steht unten, er kommt mich abholen. Ich winke ihm zu, drehe mich um, alle meine Sachen liegen fertig gepackt im Raum. Auf dem Tisch steht ein Strauss Rosen, die ich mir vor ein paar Tagen geg\u00f6nnt habe. Ich scheide zwei Bl\u00fcten ab und lege sie unter die Schutzengelfigur auf die Fensterbank. Dann \u00f6ffne ich das Fenster und rufe:<br \/>\n\u201cIch komme.\u201d<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Telefonzelle Hat Gott eine Telefonnummer? Wenn ja, in welchem Telefonbuch k\u00f6nnte ich sie finden? Ich hatte nie gedacht mir solche Fragen einmal ernsthaft zu stellen. Nie gedacht in solch einer prek\u00e4ren Situation zu stecken. W\u00e4re ich doch blo\u00df nicht mit an die See gefahren. 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