Anglizismen

Audio-Kolumne: Radio ZuSa ZuSa-Café am 1.5.2021 von 9-12 Uhr (Kolumne ca. 10.30)

Sinniertes zum Frühstück

Anglizismen

Sprache ist etwas wundervolles. Die Möglichkeiten von Kommunikation sind so vielfältig, von banal bis poetisch, von Vermittlung einer Information bis hin zum Hauchen lang ersehnter Gefühle. Von schroff bis wohl ausgefeilt gibt sie uns die Chance unser Mittteilungsbedürfnis den Mitmenschen darzubieten. Und die Sprache wandelt und entwickelt sich. Viele neue Worte entstehen aus erlebten Lebenssituationen. Aber keine andere Sprache hat in den letzten Jahrzehnten weltweit alle anderen geprägt wie die Englische. Vor allem, wenn es um Produkte geht. Nehmen wir zum Beispiel die Modebranche. Wer hier stylisch daher kommen will, braucht großzügig geschnittene Sweatpants in Kombination mit Sneakers, oder doch eine Bootcut oder Mid Rise Jeans, dann sollten aber auch die Ballerinas in Form von Slingback oder Mules sein. Mit einem Hoodie zusammen ein cooler Streetstylelook. Alles andere ist No-go.
Mein alter Deutschlehrer hätte jetzt vermutlich gesagt, da würde sich Goethe wohl im Grabe umdrehen. Aber wer interessiert sich heute noch für Goethe, wenn es doch Poetry-Slams gibt.
Der aufmerksame Zuhörer, beziehungsweise Leser, wird hier feststellen, das ich mit dem Wort Branche allerdings gleich eines aus dem Französischen benutzt habe. Vor dem Englischen war es on top, Begriffe aus dieser Sprache zu benutzen. Allerdings nur für die High Sociaty. Merde hörte sich auch viel zivilisierter an, als ein knallhartes Fuck, welches schon lange in der kompletten Gesellschaft angekommen ist und einem gewiss rausrutscht, wenn man feststellt, dass nach einem Computerabsturz, das letzte Back-Up vergessen wurde. Überhaupt bietet das digitale Geschehen einen Pulk von englischen Begriffen, die es nötig machen, ein Wörterbuch zur Hand zu haben. Ach ne, wir haben ja ein Handy und können es googeln. Macht ja auch Sinn, um zu begreifen, dass Cookies nichts mit einer Handvoll Keksen zu tun haben. – Schade eigentlich. – Aber auch unsere Nahrungsaufnahme hat kaum noch etwas mit banalen Pellkartoffeln zu tun, dominieren doch Burger und Steaks unseren Teller. Es sei denn wir haben eine Food-Watch-App auf unserem Smart-Phone, welche uns auch mal einen Veggie-Day empfiehlt und danach eine Fitness-Einheit natürlich mit eingeschaltetem Tracker. Dabei dürfen wir gerne über unseren Kopfhörer via (das Wort kommt mal ganz antiquar aus dem Lateinischen) also via Blue-Tooth etwas Musik hören. Welche Stilrichtung zum Laufen passt, weiß ich allerdings nicht. Laufen muss ich nur, wenn ich den Anschlußzug erreichen will. Bei Verpassen kommt kein Grunge oder Rap, sondern Heavy Metall aus mir raus. Das Musik-Buissiness überschwemmt uns mit einer Fülle von englisch-sprachigen Stilrichtungen und da hilft auch kein Car-Glass, um in diesem Dschungel den Überblick zu behalten.
Von Non-Food bis Food-Style, der Appetit aufs shoppen soll uns, wie mit einem Tastie-Groove schmackhaft gemacht werden. Da sitzen wir nun vor unseren Online-Geräten, der Download läuft, während aus der Küche zusätzlich zu einem Happy-Breakfast-Upload aufgerufen wird. Na, dann lasst euch im low-carb-modus euren Wellness-Smoothie schmecken. Und dann den anschließenden Power-Napp nicht vergessen, rät euch, charly.